Sportchef Daniel Bühlmann lotste schon einige spezielle Typen zu Volley Schönenwerd: Einmal rückte sogar die Polizei an

Sportchef Daniel Bühlmann lotste schon einige spezielle Typen zu Volley Schönenwerd: Einmal rückte sogar die Polizei an
07.12.2019

Volley Schönenwerd Sportchef Daniel Bühlmann blickt auf die vergangenen zehn Jahre zurück und nennt seine grössten Transfercoups, sein einziger Flop, sowie den verrücktesten Spieler. Zudem erklärt er vor dem Spitzenkampf, wie der bisherige Liga-Dominator Amriswil zu knacken ist.

Volley Schönenwerd steht in seiner zehnten Saison in der NLA. Daniel Bühlmann war beim Aufstieg 2010 noch als Aktiver dabei. «Dann war es ein fliessender Übergang zum Posten des Sportchefs», sagt er. «Roland Häfliger und ich sagten damals spontan zu. Daraus sind mittlerweile zehn Jahre geworden.»

Als grösste Transfercoups der letzten zehn Jahre bezeichnet Bühlmann die Rückkehr von Jan Schnider und die Verpflichtung des brasilianischen Zuspielers Denis Milanez. «Ihn holten wir gleich in der ersten Saison», sagt der Sportchef. «Er hat uns sehr geholfen. Niko Wolanski und Marcin Ernastowicz vom aktuellen Kader waren ebenfalls ganz gute Transfers.»

Der fliehende Holländer und ein verrückter Aussie

Bei den Flops muss er länger überlegen – ein gutes Zeichen. «Wirklich schlechte Zuzüge gab es nicht. Grundsätzlich sind die Transfers während der Saison, zum Korrigieren des Kaders, immer heikel.» Erst später im Gespräch kommt ihm der Holländer Fabian Plak in den Sinn, der im Vorjahr ein kurzes Gastspiel hatte im Niederamt. Bühlmann schüttelt den Kopf: «Der war eine ganz grosse Nummer.»

Plak, laut Bühlmann kein herausragender, jedoch ein guter Mittelblocker, fand keinen Verein. Da schlug Schönenwerd zu. «Er hatte gleich das Gefühl, dass er besser sei als die Mitspieler. Nach kurzer Zeit bekam er Rückenprobleme, wegen des Bodens, wie er sagte.» Schliesslich fuhr Plak in seine Heimat, obwohl ihm dies untersagt war. «In einer Nacht-und-Nebel-Aktion brachte er den Karren zurück, packte seine Sachen und flog nach Holland zurück.»

Nach dem verrücktesten Spieler muss Bühlmann nicht lange suchen: Es ist Paul Sanderson, der beim Brasilianer Denis Milanez einquartiert wurde. «Da trafen Welten aufeinander», sagt Bühlmann. «Sanderson machte nonstop Party, hatte ständig Besuch. Bis die Nachbarn mal die Polizei riefen.» Das Auto gab der Aussie mit einem heftigen Schaden zurück. «Es seien minime Parkschäden, sagte er uns. Die eine Seite des Wagens war komplett aufgerissen.»

Die Sache mit den Autos hat System. Der Mexikaner Carlos Guerra produzierte einen Motorschaden, weil kein Tropfen Öl mehr drin war. «Dafür ein riesiges Loch im Zylinder», erinnert sich der Sportchef. «Das Lämpchen habe wohl mal aufgeleuchtet, meinte Guerra zum Vorfall.» Zudem flatterten regelmässig Bussen für Geschwindigkeitsüberschreitungen rein.

Ausfälle wären nur schwer zu kompensieren

Nach dem dritten Platz in der abgelaufenen Saison war Bühlmann gefordert. Zwischen Zuspieler Scott Fifer und Trainer Bujar Dervisaj stimmte die Chemie nicht. «In Niko Wolanski fanden wir schnell die passende Lösung.» Der letztjährige Ersatz-Passeur Mathis Jucker will sich in Luzern Spielpraxis holen und verliess den Klub ebenfalls. «Schöni» verpflichtete Jeremy Tomasetti als Nummer zwei auf der Zuspieler-Position, der zuletzt für Uni Bern gespielt hatte.

Mittelblocker Samuel Ehrat verliess Schönenwerd nach nur einer Saison Richtung Heimat Basel. Bühlmann bedauert den Abgang des Nationalspielers, sagt aber. «Ich bin auch mit der jetzigen Konstellation sehr zufrieden. Mit Mischa von Burg und Chris Frame spielen zwei Jungs aus Schönenwerd in der Mitte.» Als Nummer drei figuriert Janick Sommer, der wie Tomasetti von Uni Bern kam.

Am meisten Sorgen bereiten Bühlmann die Angreifer. Was erstaunt; die Aussen Marcin Ernastowicz sowie Luca Ulrich und auch Diagonal Yves Roth sind in bestechender Form. «Dafür musste Luca Häfliger mit einer Schulterverletzung aussteigen und Leo Dillier konzentriert sich aufs Beachen», sagt Bühlmann.

Es fehlt also die Bank. Für Diagonal Roth gibt es gar keinen Back-up, auf der Aussen ist Captain Leandro Gerber eine matchentscheidende Option, aber nur, wenn der Rücken hält. «Im Spiel gibt es immer Lösungen, doch für das Training ist es problematisch, wenn Spieler fehlen», sagt Bühlmann.

Nur Schnider und Hänggi würde er dazunehmen

Indem er nicht weniger als fünf Spieler des aktuellen Kaders in sein Allstar-Team der vergangenen zehn Jahre wählt, stellt sich der Sportchef gleich selber ein gutes Zeugnis aus. Der Name, der zuerst fällt, ist Jan Schnider, den er zusammen mit dem jetzigen Topskorer, dem Polen Ernastowicz, auf die Aussen-Position setzt. Dazu Luca Ulrich und Leandro Gerber als Ersatz.

Schwieriger gestaltet sich die Wahl des Diagonalangreifers. Der Spanier Daniel Rocamora war in seiner ersten Saison MVP der NLA, habe aber in den Playoffs nicht reüssiert. «Ich nehme Yves Roth. Er hat sich sensationell entwickelt, ist vom Junior zum Mann gereift.»

Seine Nummer zwei heisst Noah Eichenberger. Als Mittelblocker lässt er Christoph Hänggi und Mischa von Burg auflaufen. «Und als Dritten Sämi Ehrat.» Als Zuspieler stellt er den Polen Niko Wolanksi auf, den Job des Liberos teilen sich Marco Heimgartner (in der Defensive) und Julian Fischer (in der Annahme).

«Es erstaunt mich, dass ich gleich fünf Spieler des aktuellen Kaders in der Startformation habe», sagt Daniel Bühlmann. Was auch auf den Trainer zutrifft. «Der heisst natürlich Bujar Dervisaj», ergänzt Bühlmann.

 

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