«Es fühlt sich wie eine Heimkehr an»

«Es fühlt sich wie eine Heimkehr an»
08.05.2020

Der 28-jährige Zuspieler Reto Giger ist Volley Schönenwerds erste Verpflichtung für die kommende Saison. Der Aarauer kehrt nach vier Jahren zu dem Klub zurück, mit dem er schon NLA-Silber und -Bronze gewann. Der Kern des neuen Schönenwerder Kaders steht.

Text: Raphael Wermelinger - Oltner Tagblatt

Unmittelbar vor dem Auftakt der Playoff-Halbfinals der NLA wurde die Saison der Volleyballer abgebrochen. Die Schönenwerder, welche die Qualifikation auf dem zweiten Platz beendet hatten, werden nie erfahren, was 2019 / 20 möglich gewesen wäre.

Mit solchen Spekulationen hält sich die Klubleitung indes nicht lange auf, der Blick geht nach vorne. «Wir sind guten Mutes, dass wir im Herbst in die neue Saison starten können», teilt der Club mit. «Die Planungen laufen auf Hochtouren.»

Volley Schönenwerd vermeldet zwar erst einen Zuzug, doch der hat es in sich und stand auch bei den anderen NLA-Spitzenklubs auf der Liste: Passeur Reto Giger, der nach vier Jahren zurückkehrt. «Es fühlt sich definitiv wie eine Heimkehr an», sagt der 28-jährige Aarauer, der sich überrascht zeigt, wie schnell der Transfer die Runde machte. Er bekam etliche Nachrichten und Grüsse. «Ich freue mich riesig, wieder für Schönenwerd zu spielen und vor allem darauf, in der Betoncoupe Arena endlich als Schönenwerder aufzulaufen.»

Der etwas zu späte Schritt ins Ausland

Bislang kennt Giger seine neue Heimspielstätte erst von einigen Gastspielen mit Näfels und den Trainingslagern mit der Nationalmannschaft. Er feierte seine grössten Erfolge mit «Schöni», NLA-Silber und -Bronze, noch in der Erlimatthalle in Däniken. 2016 verliess er Schönenwerd und spielte zwei Saisons bei Näfels. Vor knapp zwei Jahren startete er, zu spät, wie er heute sagt, in sein Ausland-Abenteuer.

Das Leben als Profisportler gefiel ihm: «Ich würde es jedem empfehlen. Du kannst dich voll aufs Volleyball konzentrieren, hast aber auch viel Zeit, um andere Dinge zu machen, wenn du daneben nicht studieren oder arbeiten musst». Was von einem Profi erwartet wird, erlebte er in Polen, wo alles ein bisschen rauer sei. Und Volleyball auf einem sehr hohen Niveau gespielt wird. «Du musst liefern, denn dafür wirst du bezahlt», sagt Giger. «Wenn du schlecht spielst, zeigen dir das die Fans gnadenlos.»

Froh, dass er Estland überhaupt verlassen durfte

Die Saison 2019 / 20 nahm er in Estland in Angriff, wo er erneut eine neue Welt kennen lernte. Die eher zurückhaltenden Esten, deren gepflegte Städte und auch das Essen haben es ihm angetan. Was das Volleyball angeht, musste er sich nach dem Jahr in Polen, wo alles über die Physis geht, umstellen. Die Angreifer in Estland sind meist keine Hünen, die Technik steht daher im Vordergrund. «Auch in der Annahme sind sie stark», so Giger. «Mit dem Aufschlag zu punkten, war schwierig.»

Der Abschied von Estland nach acht Monaten war abrupt. Anfang März musste Giger zehn Tage in seiner kleinen Wohnung ausharren und auf die Genehmigung zum Ausreisen warten. Am 17. März war es endlich soweit. Seither lebt er bei seiner Verlobten auf einem Hof. «Hier kann ich mich wenigstens austoben und ein bisschen Volleyball spielen», sagt er. Fit hält er sich mit einem Trainingsprogramm von der Nationalmannschaft. Mitte August soll die Qualifikation für die Europameisterschaft 2021 beginnen.

 «Wir werden eine coole Truppe sein»

Danach gilt Gigers Fokus Volley Schönenwerd. «Ich bin in den vier Jahren konstanter geworden, konnte meine Technik verbessern und ich habe in Sachen Teamführung viel dazugelernt», sagt er und fügt lachend hinzu: «Emotional bin ich immer noch auf dem Feld». Die meisten seiner Mitspieler in der neuen Saison kennt er bereits von seiner früheren Zeit bei Schönenwerd oder von der Nati. «Wir werden eine coole Truppe sein. Ich hoffe, dass wir viel Spass haben und die gute Chemie auf die Zuschauer übertragen können.»

Ohne die Kader der Konkurrenten zu kennen, mache es keinen Sinn, zu spekulieren, stellt Reto Giger klar. Er kehre aber nicht zurück, um im Mittelfeld der NLA herumzudümpeln. «Ende Mai, Anfang Juni, wenn die Transfers der Ausländer langsam losgehen, wird sich zeigen, wie realistisch der Titel diese Saison ist», sagt er. «Wenn wir mit den Spielern, die jetzt fix sind, frech aufspielen, sollten wir gegen jeden bestehen und erneut in den Top 3 mitspielen können. Wenn noch ein oder zwei Ausländer dazustossen, könnte es sehr gut kommen.»

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