«Keine andere Wahl als Volleyball»

06.10.2016

Volleyball Schönenwerds neuer estnischer Aussenangreifer Kristo Kollo (26) erlebte bereits einen ersten kleinen Kulturschock

Kristo Kollo, Sie sind Teil des neuen Ausländer-Quartetts von Volley Schönenwerd. Was können die «Schöni»-Fans von Ihnen erwarten?

Kristo Kollo: Ich bin eher der solide Part der Mannschaft und nicht der Spektakel-Spieler. Der Grund ist, dass ich mit meinen 1.90 Meter für einen modernen Aussenangreifer doch eher klein bin. Deshalb sehe ich mich als Defensivspezialisten. Meine Annahmen sind sicher, das habe ich während meiner Zeit als Libero gelernt, die gute Spielübersicht kommt vom Beachvolleyball. Ich versuche stets, auf dem Feld so wenige Fehler wie möglich zu machen. An meinem Angriffsspiel arbeite ich noch.

Mit welchen Erwartungen kamen Sie zu Volley Schönenwerd?

Nachdem ich in Estland während rund zehn Jahren für den gleichen Klub gespielt habe, ist Schönenwerd nun meine erste Karrierestation im Ausland. Nur schon deshalb wird diese Saison für mich eine ganz spezielle Erfahrung. Vor dem Wechsel habe ich mich natürlich über den Verein informiert. Ein cooler Klub mit netten Leuten, so wurde mir Volley Schönenwerd immer wieder beschrieben. Das hat mich überzeugt.

Seit wann sind Sie in der Schweiz?

Seit knapp einem Monat. Am ersten Tag bekam ich gleich ein Auto, konnte meine Wohnung beziehen, und ich hatte auch gleich mein erstes Training. Alles war sehr gut organisiert.

Wie gefällt Ihnen Ihre neue Heimat?

Als Beachvolleyballer habe ich schon einige Turniere in der Schweiz bestritten. Ich war schon in Luzern, Zürich, Lausanne und Biel. Ich mag die Leute und die Natur in der Schweiz. Vor allem die Berge, wahrscheinlich weil ich im Sternzeichen Steinbock bin. Der höchste Berg in Estland ist etwa 300 Meter hoch, das ist natürlich kein Vergleich zur Schweiz.

Einen Kulturschock haben Sie aber nicht erlebt?

Doch, letzte Woche, als ich im Restaurant ein Dessert aus Marroni probierte (lacht). In Estland basteln die kleinen Kinder Spielzeug aus Marroni, in der Schweiz macht ihr eine Nachspeise daraus. Und die war erst noch lecker.

Vermissen Sie etwas in der Schweiz?

Meine Freundin und meine Familie natürlich ein bisschen. Aber damit kann ich gut umgehen, schliesslich ist es hier wirklich sehr schön zum Leben. Meine Freundin war Anfang September schon hier, wird im Oktober und dann auch an Weihnachten wieder kommen.

Sie sind jetzt 26 Jahre alt. Wann starteten Sie Ihre Karriere?

Ich begann schon als knapp 7-Jähriger mit Volleyball, hatte eigentlich keine andere Wahl (lacht). Meine Mutter war Captain der estnischen Nationalmannschaft, mein Vater spielte in Estland jahrelang in der höchsten Liga und meine Schwester ist mittlerweile auch schon in der Nachwuchs-Auswahl von Estland. Unsere Familie ist geprägt durch den Volleyball-Sport, weshalb es für mich ein logischer Schritt war, auch damit anzufangen.

Seit wann sind Sie Profi?

Meine erste Saison als Profi war 2006, ich war noch nicht ganz 17 Jahre alt. Bei meinem Verein Tartu konnte ich den Sport mit der Schule ideal verbinden. Es waren zehn sehr schöne Jahre, wir wurden mehrmals Meister und Cupsieger und ich konnte mich in die estnische Nationalmannschaft spielen.

Sie versuchten es zwischendurch auch mit Beachvolleyball.

2012/13 nahm ich in der Halle eine Auszeit, um mich voll aufs Beachen zu konzentrieren. Doch leider ist es nicht so gelaufen, wie mein Partner und ich uns das vorgestellt hatten. Deshalb spielte ich in der folgenden Saison wieder beides: Acht Monate in der Halle, vier Monate im Sand. Es waren die längsten drei Jahre meines Lebens. Ich hatte keine Freizeit mehr. Diese drei Jahre haben mir in Sachen Erfahrung sicher viel gebracht, doch ich würde es nicht mehr machen. Es ist besser, sich auf eine Sache zu fokussieren, statt zwei Dinge halbbatzig zu machen.

Die meisten Volleyballer würden sich wegen des Funfaktors wohl eher fürs Beachfeld entscheiden.

In der Schweiz sind die Voraussetzungen fürs Beachen gegeben. In Estland ist es dagegen nicht so einfach. Es fehlen die Strukturen, jeder Spieler muss für sich selber schauen. Du musst die Trainings organisieren, deine Saison selber planen und auch für Sponsoren schauen, das war mir zu viel. Mein Herz schlägt für den Beachvolleyball-Sport. Deshalb werde ich sicher wieder im Sand spielen, doch in der Halle kann ich mehr erreichen.

Zum Beispiel in der NLA mit Volley Schönenwerd. Sind Sie zufrieden mit Ihren neuen Teamkollegen?

Ja, ich wurde sehr gut aufgenommen, alle sind freundlich. Unser Kader erinnert mit ein wenig an das der estnischen Nationalmannschaft: ein paar wilde, junge Spieler kombiniert mit einigen erfahrenen Routiniers. Bei Volley Schönenwerd gehöre ich mit meinen 26 Jahren sogar schon zu den Älteren und werde deshalb versuchen, dass ich den Jungs meine Erfahrungen weitergeben kann. Bis jetzt passt wirklich alles für mich, ich kann nichts Schlechtes über den Verein oder das Team sagen.

Wie stark wird Volley Schönenwerd in der am 15. Oktober startenden neuen Saison sein?

Unser Diagonalangreifer, der Spanier Daniel Rocamora, ist erst kürzlich zum Team gestossen. Ihn kenne ich noch gar nicht richtig. Doch ich denke, dass wir diese Saison gute Chancen haben werden. Wir verfügten über gute Aussenangreifer, gute Mittelblocker und einen sehr talentierten Libero. Auch Trainer Zharko Ristoski hat mich bis jetzt überzeugt. Er ist ein Taktiker, der seine Strategie geschickt dem Gegner anpasst. Wie gut wir tatsächlich sind, wird sich aber erst noch zeigen.

Wie lautet Ihr persönliches Saisonziel?

Ich will Titel gewinnen, und zwar so viele wie möglich. Das ist immer mein Ziel. Doch mit Näfels, Amriswil oder Lausanne soll die Konkurrenz sehr gross sein, wie ich gehört habe. Ich bin gespannt auf diese Duelle. Persönlich will ich mich natürlich weiterentwickeln, den nächsten Schritt machen in meiner Karriere. Und ich denke, nach fast zehn Jahren in Estland ist Volley Schönenwerd die perfekte Adresse dafür.

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